Aktuelles & Interessantes

Wo kommt Tantra eigentlich her? Lesetipp: Eva Hanson zur Geschichte des Tantra

Wer heute den Begriff Tantra liest, und noch nichts davon erlebt hat, verbindet damit meist Seminare mit vielen Nackten, Räucherstäbchen und indischen Götterfiguren. Und mit Tantramassagen. Diese Art von Neo-Tantra ist aber erst zu Hippie-Zeiten in Europa entstanden. Tatsächlich reichen die Wurzeln des Tantra weit zurück in die indische Religionsgeschichte.

Die Tantramasseurin und Aktivistin für sexuelle Kultur Eva Hanson widmet sich in ihrem aktuellen Steady-Beitrag den Ursprüngen und Hintergründen einer Tradition, die sich einfachen Definitionen entzieht. Tantra war zeitweise Staatsreligion, wurde später verfemt und gefürchtet und umfasst gleichermaßen asketische wie sexuelle Strömungen. Es ist voller Widersprüche, Metaphern und magischer Vorstellungen.

Wer einen ebenso kenntnisreichen wie verständlichen Einstieg in die faszinierende Geschichte und Gedankenwelt des indischen Tantra sucht, findet ihn in Eva Hansons Artikel „Göttinnen, Gurus und Geschlechtsverkehr: Worum es im indischen Tantra wirklich geht“. Das Lesen lohnt sich allein schon für die Erkenntnis, wie wenig das historische Tantra mit vielen unserer heutigen Vorstellungen darüber zu tun hat.

Der Körper als Eintrittspforte zur Spiritualität

Bei ihrem Einblick beschreibt sie eine Welt von Mantras, Mandalas, Yantras und (Körper-)Ritualen, in der Körper, Geist und Universum nicht voneinander getrennt sind. Alles gilt zugleich als profan und göttlich. Der menschliche Körper wird nicht als Hindernis auf dem spirituellen Weg betrachtet, sondern als dessen Ausgangspunkt.

Besonders spannend sind die Ausführungen zu Shiva und Shakti, zur Bedeutung der weiblichen Yoni-Kraft, zu den berühmten Darstellungen kopulierender Menschen der Khajuraho-Tempel Indiens und zu der Frage, welche Rolle Sexualität tatsächlich im historischen Tantra spielte. Denn entgegen vieler moderner Vorstellungen lebten die meisten „rechtshändigen“ Tantriker keineswegs ein sexuell ausschweifendes Leben, sondern oft sogar ausgesprochen asketisch. Im „linkshändigen Tantra“ hingegen werden die Rituale körperlich interpretiert und ausgeführt. Diese Denkrichtung war zusammen mit taoistischen Traditionen die Inspirationsquelle der heutigen Tantramassagen.

Eva Hanson nennt Tantra „Psychosomatische Alchemie“

Eva Hanson beschreibt Tantra als eine Form verkörperter Spiritualität, die auch schwierige Themen wie Macht, Sexualität oder intensive Emotionen nicht ausgrenzt, sondern bewusst in den Prozess persönlicher Entwicklung einbezieht. Sie wirft den Gedanken auf, ob Tantra vielleicht eine Art „psychosomatische Alchemie“ ist, die aus den Herausforderungen des Lebens Erkenntnis und Wachstum gewinnen will. Ja! Das würden wir unterschreiben: Viele Menschen, die bei einer Tantramassage nur einen moderne Übersetzung dessen erleben, was vor hunderten von Jahren viel radikaler praktiziert wurde, berichten von lebensverändernden Effekten. So liest man auch in den Erfahrungsberichten auf INDIDE(h)er von Yonimassagen über die transformatorische Kraft solcher Rituale auf die Psyche.

 

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner