„Ich trau mich nicht“ – Gastbeitrag von Eva Hanson für Frauen, die sich noch nicht trauen
In ihrem Gastbeitrag macht Tantra-Masseurin und Autorin Eva Hanson Frauen Lust, sich zur Tantra-Massage zu trauen. Es braucht gar nicht viel Mut, sondern nur Offenheit für das, was die Tantra-Massage ist. In dem Moment. Für diese Frau.
Was alle Frauen über die Tantra-Massage wissen sollten

Der häufigste Satz, den ich als Tantra-Masseurin von Frauen höre, lautet: „Ich habe jetzt einige Jahre darüber nachgedacht und mich belesen – jetzt habe ich endlich den Mut gefunden, einen Termin zu machen.“
Der zweithäufigste Satz lautet: „Wow! Wieso hab ich das bloß nicht schon viel früher gemacht??“
Dazwischen liegen nur drei bis vier Stunden.
Ich arbeite seit 2013 hauptberuflich als Tantra-Masseurin. Aber trotz guter Ausbildung und einer Menge Erfahrung: Meine Tantra-Massage bzw. Yoni-Massage ist kein Hexenwerk, vollbringt keine Wunder. Und doch kommt dieser zweite Satz so häufig.
Diese Frauen, die sich zu mir trauen, haben drei wichtige Dinge über Tantra-Massage verstanden:
1. Du musst nicht „bereit“ sein
Die Tantra-Massage ist ein freundliches, verständnisvolles und großzügiges Wesen. Sie ist bereit für DICH, nimmt dich so, wie du gerade bist – auch mit Schüchternheit, Scham und Hemmungen.
Nur du entscheidest, wie weit die Massage geht.
Dein Herzklopfen und Zögern, deine Fragen und Grenzen sind willkommen.
Es gibt kein Müssen. Kein Sollen. Kein optimales Ergebnis.
Manche warten auf den optimalen Zustand, um ihren ersten Termin zu buchen – und so vergehen die Jahre. Dabei ist das völlig unnötig.
Du erlebst, was du eben erlebst.
Am Ende sammelst du deine Erkenntnisse und Erfahrungen ein und nimmst sie mit nach Hause. Dort kannst du sie die noch einmal ansehen und entscheiden, wo sie hingehören in deinem inneren Wohnraum: Einige möchten zuerst ausgewickelt oder entfaltet werden. Manche kommen vorerst in den Keller. Andere stellst du wie Trophäen oder Pokale in deine innere Vitrine.
2. Freiheit entsteht nicht allein im Kopf
Wie leben in einer der sexuell freiesten Gesellschaften der Welt. Aber Sexualität ist nicht frei, nur weil sie erlaubt ist. Theoretisch wissen Frauen, dass sie tun dürfen was sie wollen und wollen dürfen was ihnen gefällt. Gleichzeitig will uns unsere weibliche Sozialisation immer noch mehr oder weniger explizit glauben machen:
- „Sexualität gehört in eine feste Beziehung“
- „Es ist gefährlich, mit Fremden intim zu werden“
- „Nur Männer bezahlen für Lust“
- „Wir sollten nicht so viel Zeit und Geld für Müßiggang und Vergnügen verwenden“
- „Frauen dürfen sich nicht einfach so anderen zumuten, mit ihren unperfekten Körpern, Gefühlen, Begehrlichkeiten, Lust und Verletzlichkeit“
Diese Liste ist keineswegs vollständig.
Tantra-Massage ist nicht etwas, das wir tun, sondern ein Ort, an den wir gehen – und wir bringen unser ganzes Gepäck mit: schlechte Erfahrungen und Trauma, Lücken im Selbstwertgefühl, alles was wir über Sexualität gelernt haben oder zu wissen glauben, unsere Realität und Erfahrung als Frau in dieser Kultur.
Erschwerend kommt hinzu: Ein außergewöhnliches Setting kann sich gar nicht sicher anfühlen für Frauen, die noch nicht lernen konnten, „Ja“, „Nein“ und „Lieber anders“ zu sagen.
Mich macht das so traurig und wütend.
Weil die meisten Frauen glauben, es sei ihrer individuellen Unzulänglichkeit geschuldet, wenn sie nicht den Mut haben, ihrer Sehnsucht oder Intuition zu folgen. Dabei können sie gar nichts dafür!
Was leider viele nicht wissen: Seriöse Tantra-Massage kann ein hervorragender Ort sein, um solche Themen nicht nur im Kopf zu verstehen, sondern konkret zu erforschen. Ein sicherer Rahmen, in dem Freiheit mit dem ganzen Körper geübt werden kann.
(Redaktion: Seriöse Tantra-Masseurinnen und -masseure findest du auch in deiner Nähe. Hier geht es zur Map mit vielen Adressen)
3. Tantra-Massage kann viel für Frauen tun
Es ist gewiss keine Kleinigkeit, der Tantra-Massage den Vertrauensvorschuss zu geben, den sie verdient. Aber es zahlt sich aus.
Zum Beispiel kann sie helfen,
- Hemmschwellen und ungeliebte Begrenzungen transparent zumachen und aufzuweichen
- die eigene Sinnlichkeit und Lust zu erforschen – ohne Beziehung, männlich orientierten Vorstellungen von Sex, ohne Erwartungsdruck
- zu lernen wie es ist, sich in ein sinnliches Erlebnis einfach hinein zu entspannen und zu genießen
- das Selbstbewusstsein zu stärken und den eigenen Körper liebevoll anzunehmen
- herauszufinden, was wir wirklich wollen und was uns gefällt
- Intimität und Zärtlichkeit mit uns selbst zu üben
- die ganze Bandbreite und Tiefe der eigenen weiblichen Lust zu entdecken – inklusive aller Gefühle, die dazu gehören
- Erotik als Kraftquelle zu erschließen
(Redaktion: Weitere Gründe auf der Seite „Warum Frauen zur Tantramassage gehen“).
Als ich 2013 meine Ausbildung in Frauenmassage und Sexualcoaching abschloss, träumte ich davon, irgendwann nur noch mit Frauen zu arbeiten. Dieser Traum hat sich nicht erfüllt: Zwar steigt der Frauenanteil stetig, aber nur sehr langsam.
Deshalb schreibe ich unermüdlich über meine Arbeit: Hier der Link zu meinem Eva-Hanson-Blog auf Steady. Damit Frauen sich ein besseres Bild davon machen können von dem, was geschieht, von Chancen und Möglichkeiten dieses Settings.
Auf dass alle Menschen sich eines Tages Tantra-Massagen gönnen können.
Einfach so.
Ohne Zögern.
Autorin
Eva Hanson
Tantramasseurin TMV, Frauenmasseurin und Sexualcoach (Perlentor) in Leipzig in Sachsen
Außerdem: Bloggerin, Buch-Autorin, Speakerin & Aktivistin für Sexuelle Kultur
www.evahanson.de
Link zu den Angeboten in Leipzig für Frauen: Tantra-Massage für Frauen — Eva Hanson
Kontakt: mail@evahanson.de
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