Therapeutische Yoni-Massage als praktisch erlebte Sexualtherapie
Viele Frauen beschreiben eine heilsame bzw. therapeutische Wirkung durch Yoni-Massagen. Heilsam in dem Sinne, die eigene Wahrnehmung zu schulen, die eigenen Grenzen zu formulieren, und sich dem Spüren in der Yoni frei von Beziehungsverstrickung widmen zu können.
Die Erfahrung einer Yoni-Massage kann sehr unterschiedlich erlebt werden, je nachdem, was Anbieter/Anbieterin mitbringen und je nachdem, was die empfangende Frau möchte. Es ist sogar möglich, sie in eine Sexualtherapie zu integrieren, in dem die Erfahrung bei einer Frauenmasseurin (oder einem Masseur) durch die Therapeutin vor- und nachbereitet wird. Beispielsweise kann man so Grenzen spüren, aufkommende schwierige Gefühle kommen und gehen lassen und eigene Bedürfnisse wahrnehmen praktisch üben.
Wichtigste Frage: „Worum geht es dir?“
Für Frauen, die sich die Erfahrung einer Yoni-Massage gönnen möchten, ist wichtig, sich über den eigenen Ansatz und den der anbietenden Masseurin / des Masseurs klar zu werden. Auf Basis dieser Klarheit können sie dann die richtige Anbieterin oder den richtigen Anbieter finden und re-Traumatisierung vermeiden.
- Geht es um eine rein lustvolle neue Erfahrung?
- Ein Abenteuer?
- Die Erweiterung der Sexualität?
- Um gezieltes Orgasmus-Training?
- Oder sucht du Aufarbeitung und Hilfe in Bezug auf deine Vulva und Vagina?
- Liegt eine traumatische Erfahrung vor?
- Gibt es ein körperliches Thema mit der vaginalen Gesundheit wie Vulvodynie, Operationen oder Vaginismus?
- Möchte sie ein Missbrauchserlebnis aufarbeiten?
Das Spektrum der möglichen Aufgabe und der Angebote ist sehr breit, deshalb ist Klarheit hier wichtig.
Eine Massage mit Heilungspotenzial für die weibliche Sexualität
Viele Masseurinnen benutzen statt Yoni-Massage den Begriff „therapeutische Yoni-Massage“ oder „Yoni-Heilmassage“, Dabei beziehen sie z.B. Kommunikation mit ein und legen den Focus auf den sanften Umgang mit Traumata. Oft haben sie Zusatzqualifikationen mit Traumatherapien. Gerade, wenn die Masseurin während der Massage immer im Kontakt mit der Frau bleibt, hilft ihr sie so, die eigenen Empfindungen in der Yoni (Hitze, Kälte, Wollust, Schmerz, Bilder, Töne, Visionen) wahr zu nehmen und ihnen Raum zu geben, sich zu entwickeln. Es kann hier auch zu sehr sehr spirituellen Erfahrungen der Klientinnen kommen, von Fantasiebildern oder Visionen von Archetypen oder Ahninnen.
Eine Expertin, die sich mit der Ausrichtung auf die heilsame Wahrnehmung beschäftigt, ist Nhanga Ch. Grunow. Sie hat inzwischen hunderte Frauenmasseurinnen ausgebildet und vernetzt (www.tantramassage-lernen.de) und bietet mit dem „Perlentor“ ein Jahrestraining zur Frauenmasseurin an. Besonderes Merkmal ist dabei, in Kommunikation mit der Empfängerin zu bleiben und sie in der Wahrnehmung zu unterstützen.
Therapeutische Yoni-Massage: Ausrichtung auf Trauma-Arbeit
Masseurinnen mit der Ausrichtung therapeutische Yoni-Massage legen den Focus stark auf die heilsame Wirkung von seelischen (z. B. durch Missbrauch) oder körperlichen Traumata (z.B. durch Geburten oder Operationen). Klarstellung: Die Massage ist als medizinische Heilmethode noch nicht anerkannt, sie gilt eher als Methode des Sexualcoachings. Es werden zur Zeit noch (Selbst-)Erfahrungen gesammelt.
Beispielsweise berichten manche Frauen von langfristiger Verbesserung von Menstruationsschmerzen, von Narben, die nach Massagen nicht mehr schmerzten, von Erleichterung bei wiederkehrenden Blasenentzündungen oder ähnlichem. In Frauenseminaren und Ausbildungsgruppen werden diese Phänomene zur Zeit dokumentiert. Es liegen aber noch keine greifbaren Daten vor, nur persönliche Erfahrungen, somit fällt die Yoni-Massage rein rechtlich betrachtet in den Bereich erotischen Massagen.
Jeder Frau, die sich mit möglichen negativen Aspekten ihrer Yoni auseinander setzen möchte, sei geraten, dass sie sehr genau hinschaut, wem sie sich anvertraut, um am Ende nicht re-traumatisiert zu sein. Nicht jede, die zu heilen glaubt, ist selbst heile genug dafür. Am besten, man baut für diese Session langsam ein Vertrauensverhältnis auf, so kann man die Arbeit der Masseurin ja erstmal durch eine nicht-intime Massage oder Schoßraumarbeit kennen lernen. Und natürlich ist jede für sich selbst verantwortlich und kann jederzeit eine Session abrechen.
Tipp: der Frauen-Heilungs-Blog von Ilan Stephani
Allen, die sich für die Verbindung von Trauma und Yoni-Massage interessieren und mehr über die Möglichkeiten, Besonderheiten und Grenzen lesen möchten, sei der Frauenheilungs-Blog von Ilan Stephani aus Berlin empfohlen. Sie bietet auch Fortbildungen für Tantramasseure/innen an, die für die Themen missbrauchter Frauen sensibilisieren.
Eine breitere Sicht ermöglicht die Betrachtung als Schoßraumarbeit
Die Entwicklung in Bezug auf das Heilungspotenzial für die weibliche Sexualität ist die ganzheitliche Sicht im Sinne einer ganzheitlichen Schoßraumarbeit mit oder ohne Yoni-Massage oder – markengeschützt – einer Schoßraum®-Prozessbegleitung ohne Yoni-Massage. Damit entwickelte sich vor einigen Jahren der Ansatz, der sich ganz besonders für Frauen mit Missbrauchserfahrungen eignet: Sie haben dabei Zeit und Raum, bei jedem einzelnen Schritt genau zu spüren, ob es passt oder nicht.
In der Schoßraumarbeit nähert man sich ganz langsam über Schritte wie Wahrnehmungsübungen, Meditationen, Yoni-Talk und Berührung der bekleideten Frau den Themen der weiblichen Sexualität an.
Zukunftsmusik: Vernetzung mit Gynäkologie, Geburtshilfe und Sexualtherapie
Viele Frauenmasseurinnen pflegen bereits die Vernetzung und den Austausch mit Gynäkologen, Hebammen und Sexualtherapeuten. Einige Therapeutinnen stellen die Yoni-Massage regelmäßig bei Medizinern und anderen Therapeuten vor. An der Nahtstelle zu anderen Disziplinen rund um den weiblichen Genitalbereich ist noch viel Potenzial für eine ergänzende Zusammenarbeit.
Einsatzbereiche könnten sein:
- Praktische Behandlung von Themen aus der sexualtherapeutischen Arbeit mit Yoni-Massage (Vaginismus, Orgasmus-Schwierigkeiten, Lustlosigkeit, Missbrauch, Verbesserung der Selbstannahme der eigenen Körpers, Kommunikationstraining in der Sexualität). Dabei können die praktischen Erfahrungen in den Sitzungen durch die Therapeutin besprochen werden.
- Geburtsnachsorge zur verbesserten Selbstannahme des manchmal verletzten und veränderten vaginalen Bereiches (Dammschnittnarben, Dehnungsrisse usw.)
- Operationsnachsorge nach gynäkologischen Eingriffen durch sanfte Massage der Region, um positive Empfindungen zu wecken und Narben oder die Entfernung der Gebärmutter emotional zu integrieren.
- Rituelle Körperarbeit als Initiation in neue Lebensabschnitte, wie Menopause, nach Trennungen (hierbei kann es um die Erfahrung gehen, dass man für schöne Empfindungen und Sexualität nicht zwingend einen Partner braucht) oder zu Beginn neuer Beziehungen (hallo Körper!)